Wenn es um Geldanlage und Ruhestandsplanung geht, denken viele Menschen vor allem an die durchschnittliche Rendite ihrer Investments. Doch genauso wichtig wie die Höhe der Rendite ist ihre Reihenfolge. Genau hier kommt das sogenannte „Sequence of Returns Risk“ (Reihenfolgenrisiko) ins Spiel.

Was bedeutet „Sequence of Returns Risk“?

Das Reihenfolgenrisiko beschreibt die Gefahr, dass gerade in den ersten Jahren der Entnahmephase (also zu Beginn des Ruhestands) schlechte Renditen auftreten. Das kann erhebliche Auswirkungen auf die langfristige Finanzplanung haben.

In dieser Phase werden regelmäßig Anteile verkauft, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Fallen die Kurse in diesen Jahren schwach aus, müssen Sie:

  • mehr Anteile verkaufen, um denselben Eurobetrag zu erhalten,
  • damit dauerhaft Verluste realisieren,
  • und haben weniger Kapital, das von späteren Erholungen profitieren kann.

Die Folge: Das Vermögen kann sich deutlich schneller reduzieren, als es die reine Durchschnittsrendite vermuten lässt.

Zahlenbeispiel: Gleiche Durchschnittsrendite, andere Ergebnisse

Stellen wir uns zwei Anleger vor, die jeweils mit 500.000 Euro in den Ruhestand starten und jährlich 20.000 Euro entnehmen. Beide erzielen über 25 Jahre eine durchschnittliche Rendite von 5 % pro Jahr.

Unterschied: Die Reihenfolge der Jahresrenditen.

  • Szenario A: Schlechte Börsenjahre gleich zu Beginn, gute Jahre kommen später.
  • Szenario B: Die ersten Jahre laufen gut, die schwachen Jahre kommen erst gegen Ende.

Ergebnis:

  • In Szenario A ist das Vermögen nach 25 Jahren nahezu aufgebraucht – die frühen Verluste plus Entnahmen „fressen“ das Depot auf.
  • In Szenario B bleibt trotz gleicher Durchschnittsrendite ein deutlicher Vermögensrest übrig.

Gleiche Durchschnittsrendite, aber völlig unterschiedliche Ergebnisse – allein wegen der Reihenfolge.

Warum sind gerade die ersten Jahre so entscheidend?

In den ersten Jahren des Ruhestands ist das Vermögen in der Regel am größten. Verluste in dieser Phase wirken deshalb besonders stark:

  • Ein Rückgang von z. B. 20 % auf ein großes Anfangsvermögen bedeutet einen hohen absoluten Verlust.
  • Wenn Sie gleichzeitig regelmäßig Entnahmen tätigen, verstärken Sie den Effekt – die Stückzahl Ihrer Anteile sinkt dauerhaft.
  • Das verkleinerte Restkapital hat weniger „Hebel“, sich in späteren Aufschwungphasen zu erholen.

Deshalb ist nicht nur wichtig, wie viel Rendite Sie erzielen, sondern wann sie eintritt – insbesondere rund um den Ruhestartszeitpunkt.

Lösung: Dynamische Entnahmestrategien statt starre Quoten

Statt eine starre, jedes Jahr unveränderte Entnahmerate zu verwenden, empfehlen wir dynamische Strategien, wie sie etwa von Vanguard und anderen Häusern wissenschaftlich untersucht wurden.

Grundidee: Die Höhe der Entnahmen passt sich an die Entwicklung des Portfolios an:

  • In guten Jahren mit hohen Renditen kann mehr entnommen werden.
  • In schwachen Jahren wird die Entnahme reduziert – oder vorübergehend aus einem separaten Puffer finanziert.

So vermeiden Sie, in Krisenjahren das Depot zusätzlich durch hohe Entnahmen zu belasten.

Liquiditätspuffer als Schutzmechanismus

Ein praktischer Ansatz zur Abfederung des Reihenfolgenrisikos ist der Aufbau eines Liquiditätspuffers für 1–3 Jahre.

Merkmale eines solchen Puffers:

  • Anlage in risikoarmen Instrumenten (z. B. Tagesgeld, sehr kurzfristige Anleihen),
  • ausreichend, um mehrere Jahre Ihrer geplanten Entnahmen abzudecken,
  • jederzeit verfügbar, um Börsenschwächephasen zu überbrücken.

In Jahren mit negativen Renditen können Sie dann den Lebensunterhalt aus diesem Puffer bestreiten und vermeiden, dass Sie im falschen Moment Anteile aus dem Hauptdepot verkaufen müssen.

Was Sie konkret tun können

  • Entnahmestrategie prüfen: Lassen Sie sich beraten, welche Entnahme-Logik (fix, prozentual, dynamisch) zu Ihrem Bedarf, Ihrer Risikobereitschaft und Ihrer Depotstruktur passt.
  • Liquiditätspuffer aufbauen: Beginnen Sie frühzeitig, 1–3 Jahresausgaben in einem separaten, defensiven „Ruhestandspuffer“ zu parken.
  • Portfoliozusammensetzung hinterfragen: Passt die Aktien-/Anleihequote zu Ihrem Zeithorizont und Nervenkostüm – gerade rund um den Rentenbeginn?
  • Wissenschaftlich fundierte Modelle nutzen: Arbeiten Sie mit Szenario-Rechnungen, statt nur auf Durchschnittswerte und Bauchgefühl zu setzen.

Unser Angebot: Beratung, die zu Ihrem Leben passt

Ob digital per Videoberatung oder persönlich in unserem Büro in Hamburg. Wir von L&R FinanzKonzepte unterstützen Sie dabei, Ihre Finanzplanung robust und zukunftssicher zu gestalten.

Wir helfen Ihnen, Risiken wie das Sequence of Returns Risk zu verstehen und konkret in Ihre Strategie einzubauen – vom Depotaufbau über den Startzeitpunkt des Ruhestands bis hin zu intelligenten Entnahmeregeln und Puffern.

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Ihr L&R FinanzKonzepte Team mit dem Finanzblog für Akademiker