Ein Fall aus dem Jahresbericht des Versicherungsombudsmanns zeigt, wie komplex Streitigkeiten rund um Rechtsschutzversicherungen sein können. Dabei ging es um einen Arbeitnehmer, der eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aus dem Internet vorgelegt hatte.
Der Fall endete mit einer fristlosen Kündigung und einer Streitfrage: Ist der Rechtsschutzversicherer zur Kostenübernahme verpflichtet?
Der Fall: Kündigung und Ablehnung der Kostenübernahme
Der Arbeitnehmer wurde fristlos entlassen, da sein Arbeitgeber die Bescheinigung als unseriös einstufte und den Vorwurf des Betrugs erhob. In der Folge beantragte der Arbeitnehmer Rechtsschutz, um gegen die Kündigung vorzugehen. Der Versicherer verweigerte jedoch die Kostenübernahme. Die Begründung: Der Versicherungsfall sei durch ein vorsätzlich rechtswidriges Verhalten herbeigeführt worden.
Die Entscheidung des Ombudsmanns
Der Versicherungsombudsmann bewertete die Situation anders. Er stellte klar, dass der Versicherungsfall die Kündigung des Arbeitsverhältnisses sei – nicht die Umstände, die dazu führten. Es gab keine hinreichenden Beweise dafür, dass der Arbeitnehmer vorsätzlich gehandelt hatte. Zwar hätte er erkennen können, dass die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung unseriös wirken könnte, doch dies begründe höchstens Fahrlässigkeit und keinen Vorsatz.
Der Ombudsmann ging auch auf die Argumente des Arbeitgebers ein, der behauptete, der Arbeitnehmer habe zu Unrecht Lohn bezogen. Selbst wenn die Bescheinigung fehlerhaft war, könnte objektiv eine Arbeitsunfähigkeit vorgelegen haben. In diesem Fall legte der Arbeitnehmer ärztliche Unterlagen und Zeugenaussagen vor, die seine Arbeitsunfähigkeit belegten.
Das Ergebnis
Auf Empfehlung des Ombudsmanns gewährte der Rechtsschutzversicherer letztlich den benötigten Schutz für das Berufungsverfahren. Dieser Fall verdeutlicht, wie wichtig eine differenzierte Prüfung der Sachlage ist – insbesondere, wenn es um die Ablehnung von Versicherungsleistungen geht.
Was leistet eine Rechtsschutzversicherung?
Eine Rechtsschutzversicherung bietet finanzielle Unterstützung, um juristische Konflikte zu bewältigen. Sie übernimmt in der Regel Kosten wie Anwaltsgebühren, Gerichtskosten und Auslagen für Gutachten. Versicherte können diese Leistungen in verschiedenen Bereichen in Anspruch nehmen, darunter:
• Arbeitsrechtsschutz: Unterstützung bei Streitigkeiten mit dem Arbeitgeber, z. B. bei Kündigungen oder Vertragsfragen.
• Verkehrsrechtsschutz: Absicherung bei Streitigkeiten im Straßenverkehr, etwa nach Unfällen oder bei Bußgeldern.
• Privatrechtsschutz: Hilfe in Konflikten mit Dienstleistern, Nachbarn oder Vermietern.
• Mietrechtsschutz: Unterstützung bei Auseinandersetzungen zwischen Mietern und Vermietern.
Wichtig ist, dass die Kostenübernahme an bestimmte Bedingungen geknüpft ist. Der Versicherungsfall muss innerhalb des vereinbarten Deckungsumfangs liegen, und häufig gelten Wartezeiten, bevor der Schutz greift.
Der Wert professioneller Beratung
Angesichts der Vielfalt der Rechtsschutzprodukte und deren unterschiedlicher Leistungen kann es herausfordernd sein, die richtige Versicherung zu wählen. Eine professionelle Beratung kann hier entscheidend sein, um einen Tarif zu finden, der genau auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt ist. Durch eine fundierte Analyse Ihrer Situation und eine klare Erläuterung der Vertragsbedingungen vermeiden Sie unerwünschte Überraschungen im Ernstfall.
Ihr L&R FinanzKonzepte Team mit dem Finanzblog für Akademiker
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