Wenn nach Starkregen Wasser in Keller oder Wohnung dringt, zählt jede Minute – und die ersten Schritte entscheiden oft über die Höhe der Erstattung. Mit dieser kompakten Anleitung behalten Sie den Überblick und sorgen dafür, dass Meldung, Nachweise und Maßnahmen sauber ineinandergreifen.
1) Sicherheit geht vor
- Strom am Sicherungskasten ausschalten.
- Gasleitungen meiden, keine Schalter im Wasser betätigen.
- Keller oder betroffene Räume nur mit Gummistiefeln und Handschuhen betreten.
- Stehendes Wasser kann verunreinigt sein: Kinder und Haustiere fernhalten.
2) Schaden lückenlos dokumentieren
Machen Sie sofort übersichtliche Fotos und kurze Videos, bevor Sie aufräumen:
- Außenbereich: Zuflusswege, überlaufende Lichtschächte, Rückstausituation, Straßenniveau.
- Innenräume: Gesamtansichten (Totale) und Details – Wasserstandslinie, beschädigte Böden, Wände, Möbel, Elektronik.
- Zählerstände: Strom/Wasser/Gas, falls relevant.
Ergänzend hilft eine Inventarliste:
- Gegenstand, Anschaffungsjahr, damaliger Preis,
- Belege, Kontoauszüge oder Garantien dazulegen.
Nichts vorschnell entsorgen! Ein Gutachter der Versicherung könnte die beschädigten Dinge noch sehen wollen.
3) Versicherung umgehend informieren
Melden Sie den Schaden so früh wie möglich – idealerweise am selben Tag.
Bereithalten:
- Vertragsnummer,
- kurze Schilderung: Zeitpunkt, Ursache (Starkregen/Überflutung/Rückstau), betroffene Räume, erste Maßnahmen.
Welche Policen sind typischerweise betroffen?
- Hausratversicherung: ersetzt in der Regel bewegliche Dinge (Möbel, Teppiche, Kleidung, Elektrogeräte).
- Wohngebäudeversicherung: deckt Schäden am Gebäude (Mauerwerk, Estrich, Heizung, fest verbautes Inventar).
- Elementarschaden-Baustein: ist entscheidend, damit Überflutung durch Starkregen und Rückstau mitversichert sind – ohne diesen Baustein können große Lücken bleiben.
4) Folgeschäden minimieren – ohne Beweise zu zerstören
Sie sind verpflichtet, den Schaden zu mindern. Aber: zuerst dokumentieren, dann handeln.
- Wasser abpumpen oder abziehen,
- feuchte Teppiche anheben, lose Möbel aus der Nässe bringen,
- Lüften, Heizen und Entfeuchten starten (ggf. Trocknungsgeräte).
Ideal ist der Einsatz einer Fachfirma, die die Feuchtigkeit misst und ein Feuchtigkeitsprotokoll erstellt. Quittungen und Rechnungen für Notmaßnahmen unbedingt aufbewahren – diese sind häufig (ganz oder teilweise) erstattungsfähig.
5) Angebote und Reparaturen strukturiert einholen
Für größere Arbeiten (Trocknung, Estrich/Wände, Elektrik) gilt:
- mindestens zwei Angebote einholen,
- Fotos, Protokolle und Inventarliste beifügen,
- Reparaturen erst nach Freigabe der Versicherung starten – außer bei dringend nötigen Sofortmaßnahmen zur Schadenminderung.
So lassen sich spätere Diskussionen über Kosten und Umfang der Arbeiten deutlich reduzieren.
6) Mieter, Vermieter & WEG – wer meldet was?
- Mieter: informieren zusätzlich Vermieter oder Hausverwaltung.
- Gebäudeschäden: laufen über die Wohngebäudeversicherung des Eigentümers bzw. der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG).
- Persönliches Inventar: fällt unter die Hausratversicherung der Bewohner.
Wichtig ist eine saubere Trennung: Was gehört zum Gebäude, was ist beweglicher Hausrat?
7) Prävention fürs nächste Mal
Nach dem Schaden ist vor dem Schaden – vieles lässt sich beim nächsten Starkregen verbessern:
- Rückstauklappen prüfen und warten lassen.
- Lichtschächte abdichten oder mit Aufsatz/Folienabsicherung versehen.
- Kellerregale erhöhen, sensible Technik nicht direkt auf dem Boden lagern.
- Wichtige Unterlagen digital sichern und physisch höher lagern.
- Versicherungsschutz regelmäßig prüfen – insbesondere Elementardeckung und Rückstau-Klauseln.
Kurzguide: Hausrat, Wohngebäude & Elementar
Hausratversicherung – Ihr bewegliches Inventar
Versichert: Alles, was bei einem Umzug mitkäme: Möbel, Kleidung, Technik, Sport- und Haushaltsgeräte, Teppiche, Vorräte.
Typische Gefahren: Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel, Einbruch/Vandalismus, Raub; oft optional Überspannungsschäden und Fahrraddiebstahl außerhalb der Wohnung.
Leistung: Meist Neuwert – Ersatz in gleicher Art und Güte.
Wichtig: Versicherungssumme passend wählen (z. B. m²-Richtwerte), Außenversicherung prüfen (Keller/Abstellräume) und „grobe Fahrlässigkeit mitversichert“ in den Bedingungen suchen.
Wohngebäudeversicherung – Die Hülle Ihrer Immobilie
Versichert: Das Gebäude inkl. fest verbauter Bestandteile (Böden, Heizung, Sanitär, Einbauten). Nebenobjekte (Garage, Carport, Gartenhaus) je nach Police.
Typische Gefahren: Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel.
Leistung: Üblicherweise gleitender Neuwert/Wiederaufbau – Ziel ist die Wiederherstellung im heutigen Standard.
Wichtig: Richtige Wohnfläche und Baumerkmale angeben, um Unterversicherung zu vermeiden. In WEGs läuft der Vertrag meist über die Gemeinschaft; Sondereigentum sollte sauber zur Hausrat abgegrenzt werden.
Elementarschaden-Baustein – Schutz vor Naturgefahren
Versichert: Überschwemmung (auch Starkregen) und Rückstau sowie meist Erdbeben, Erdsenkung/-rutsch, Schneedruck, Lawinen, Vulkanausbruch.
Warum separat? Diese Risiken sind nicht automatisch in Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung enthalten; sie müssen bewusst als Baustein eingeschlossen werden.
Besonderheiten: Häufig Selbstbehalte und teils Wartezeiten; für Rückstau werden vielfach technische Sicherungen verlangt (z. B. funktionierende Rückstauklappe).
Tipp: Prüfen, ob Hausrat und Wohngebäude den Baustein brauchen – bewegliche Sachen und Gebäudesubstanz können gleichzeitig betroffen sein.
Leistungs-Checks, die sich lohnen
Ein Blick ins Kleingedruckte macht im Schadensfall oft mehrere Tausend Euro Unterschied. Prüfen Sie insbesondere:
- Hotel-/Unterbringungskosten nach einem Schaden (Höhe und Dauer der Erstattung).
- Trocknungs-, Abriss- und Entsorgungskosten, inkl. Schimmelprävention.
- Sicherungs- und Transportkosten (z. B. Auslagerung von Möbeln in Lagerboxen).
- Obliegenheiten: Meldefristen einhalten, Schaden minimieren, Risikoänderungen mitteilen.
Fazit: Gut vorbereitet durchs nächste Unwetter
Starkregen-Schäden sind schon stressig genug – umso wichtiger ist, dass der Versicherungsschutz wirklich passt. Gerade bei Elementar- und Rückstaurisiken gibt es je nach Police spürbare Unterschiede bei Leistungsumfang, Selbstbehalten und Wartezeiten.
Eine passende Beratung hilft, die richtige Kombination aus Hausrat-, Wohngebäude- und Elementarbaustein zu wählen und teure Lücken zu vermeiden.
Wenn Sie Ihren Schutz prüfen oder neu aufsetzen wollen, unterstützen wir Sie gern – persönlich in oder digital per Videoberatung. So gehen Sie beim nächsten Unwetter nicht nur richtig vor, sondern sind auch finanziell sauber aufgestellt.
Ihr L&R FinanzKonzepte Team mit dem Finanzblog für Akademiker

