Ab dem 1. Juli 2024 erhöhen die privaten Krankenversicherer die Beiträge im Standardtarif um 9,3 Prozent. Diese Anpassung betrifft Angestellte und Selbstständige ohne Beihilfeanspruch und ist die erste Beitragserhöhung seit drei Jahren.
Beitragserhöhung im Überblick
Der Standardtarif der privaten Krankenversicherung (PKV) wird von derzeit etwa 366 Euro auf rund 400 Euro pro Monat angehoben. Diese Anpassung ist notwendig, um die finanzielle Stabilität des Tarifs zu gewährleisten. Florian Reuter, Direktor des PKV-Verbandes, erklärt: „Dies ist die erste Beitragserhöhung im Standardtarif seit drei Jahren, und sie ist geringer als der Anstieg in der GKV im gleichen Zeitraum.“
Betroffene Versicherte
Die Beitragserhöhung betrifft insbesondere Personen, die im Standardtarif versichert sind. Dieser Tarif bietet ähnliche Leistungen wie die gesetzlichen Krankenkassen, jedoch zu einem reduzierten Beitrag. Viele der Betroffenen haben Schwierigkeiten, die Beiträge ihrer regulären PKV-Tarife zu bezahlen und profitieren daher von den günstigeren Konditionen des Standardtarifs.
Voraussetzungen für den Standardtarif
Um den Standardtarif nutzen zu können, müssen Versicherte bestimmte Kriterien erfüllen. Der Tarif steht nur Personen offen, die bereits vor dem 1. Januar 2009 privat vollversichert waren. Weitere Bedingungen sind:
• Mindestens 10 Jahre privat krankenversichert
• Mindestens 65 Jahre alt oder
• Mindestens 55 Jahre alt und das Gesamteinkommen überschreitet die Beitragsbemessungsgrenze der GKV nicht (2024: 5.175 Euro/Monat) oder
• Jünger als 55 Jahre alt und eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder ein Ruhegehalt nach beamtenrechtlichen Vorschriften beziehen, wobei das Gesamteinkommen die Beitragsbemessungsgrenze der GKV nicht überschreitet.
Vorteile des Standardtarifs
Versicherte, die in den Standardtarif wechseln, müssen keine neue Gesundheitsprüfung absolvieren. Der Wechsel erfolgt mit dem bisherigen Gesundheitsstatus, was den Prozess erleichtert. Zudem werden die in der privaten Krankenversicherung gebildeten Altersrückstellungen in den Standardtarif übertragen, wodurch die Beiträge relativ stabil bleiben.
Berechnung der Beiträge
Obwohl der Standardtarif einheitlich vom PKV-Verband berechnet wird, können die Beiträge für einzelne Versicherte unterschiedlich hoch ausfallen. Faktoren wie das Eintrittsalter, die Höhe der Verwaltungskosten oder ein vereinbarter Selbstbehalt spielen hierbei eine Rolle. Der maximale Beitrag ist auf den Höchstbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzt, der aktuell bei über 843 Euro monatlich liegt.
Gründe für die Beitragserhöhung
Eine Beitragserhöhung im Standardtarif darf nur erfolgen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind: Die Leistungsausgaben müssen von der bisherigen Kalkulation um fünf Prozent abweichen oder die allgemeine Lebenserwartung sich um diesen Wert verändern. Erst dann dürfen die Versicherer auch andere Faktoren wie das Zinsniveau an den Kapitalmärkten einrechnen. Dies führt dazu, dass die Prämie oft mehrere Jahre unverändert bleibt, aber dann deutlich ansteigt.
Weitere Sozialtarife der PKV
Neben dem Standardtarif gibt es weitere Sozialtarife in der privaten Krankenversicherung:
1. Basistarif: Dieser Tarif wurde 2009 gegen den Widerstand der Versicherungswirtschaft eingeführt und ist oft teurer, da Altersrückstellungen nicht zu Gunsten des Versicherten eingerechnet werden. Zudem gibt es Berichte, dass Ärzte die Behandlung von Patienten im Basistarif aufgrund der niedrigeren Honorare teilweise verweigern.
2. Notlagentarif: Dieser Tarif existiert seit 2013 und bietet noch weniger Leistungen. Er ist für Personen gedacht, die ihre Beiträge zur PKV nicht mehr zahlen können und in Zahlungsrückstand geraten sind. Der Notlagentarif deckt nur Notfallversorgungen ab, während Vorsorgeuntersuchungen und normale Arztbesuche nicht enthalten sind.
Fazit
Die Beitragsanpassung im Standardtarif der privaten Krankenversicherungen ist eine notwendige Maßnahme, um die finanzielle Stabilität der Tarife zu gewährleisten. Trotz der Erhöhung bleibt der Standardtarif eine wichtige Option für viele Versicherte, insbesondere für ältere Menschen und diejenigen mit niedrigerem Einkommen.
Ihr L&R FinanzKonzepte Team mit dem Finanzblog für Akademiker
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